ÖsterreichUngarn
Österreich-Ungarn

Kaiser Karl I / IV

Österreich-Ungarn 1867-1918: Kaiser Karl I / IV

Karl I. Franz Joseph Ludwig Hubert Georg Maria (* 17. August 1887 auf Schloss Persenbeug in Niederösterreich; † 1. April 1922 in Funchal auf Madeira) war von 1916 bis 1918 Kaiser von Österreich und als Karl IV. (ungarisch IV. Károly , kroatisch Karlo IV.) König von Ungarn und Kroatien (Königreich Ungarn) und als Karl III. König von Böhmen, in Ungarn auch als „Letztkönig“ bezeichnet. 2004 wurde er durch Papst Johannes Paul II. selig gesprochen.

Karl wurde zunächst von Hauslehrern erzogen, zu denen auch Godfried Marschall gehörte. Später besuchte er bis Juni 1901 das Schottengymnasium in Wien, was ungewöhnlich für ein Mitglied des Herrscherhauses war. Er legte hier aber nur die Abschlussprüfungen über den Lehrplan der Unterstufe ab.

1903 ernannte ihn der Kaiser zum Leutnant des Ulanenregiments „Erzherzog Otto“ Nr. 1. Am 1. Oktober 1905 begann seine militärische Ausbildung beim 7. Dragonerregiment. Die Garnison war zuerst in Kutterschitz bei Bilin in Böhmen, 1906 in Brandeis-Altbunzlau stationiert. Am 1. November wurde er zum Oberleutnant befördert. In diesem Jahr unterbrach er den Militärdienst für ein zweijähriges Studium an der Prager Karl-Ferdinands-Universität. Ab Sommer 1908 war er wieder bei seiner Garnison ( Günther Kronenbitter: Krieg im Frieden: Die Führung der k.u.k. Armee und die Großmachtpolitik Österreich-Ungarns 1906-1914).

Als sein Vater 1906 starb, wurde sein Onkel Franz Ferdinand sein Vormund, der seit 1900 in einer morganatischen Ehe („zur linken Hand“, also nicht standesgemäß) verheiratet war. Da Franz Ferdinands Kinder von der Thronfolge ausgeschlossen waren, wurde Karl nunmehr der nächste Thronanwärter.

Am 21. Oktober 1911 heiratete er Zita von Bourbon-Parma auf Schloss Schwarzau am Steinfeld (Gabriele Praschl-Bichler: Das Familienalbum von Kaiser Karl und Kaiserin Zita ).
Erst 1911 erhielt Karl Einsicht in außenpolitisch wichtige Akten und ab 1913 dürfte ihn Franz Ferdinand näher über seine Reformpläne informiert haben. Er wurde aber bis zu seinem Regierungsantritt nicht in die politischen Entscheidungen der Monarchie eingebunden.

Nach der Ermordung Franz Ferdinands am 28. Juni 1914 wurde er Erzherzog-Thronfolger. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs war er auch Mitglied des obersten Armeekommandos, aus dem er bald von Generalstabschef Conrad von Hötzendorf hinausgedrängt wurde. Er besuchte danach im Auftrag des Kaisers oft die Truppen an vorderster Front. 1916 war er Kommandierender General des 20. Armeekorps (Edelweiß) in Italien und befehligte danach Truppen in Rumänien.

Nach dem Tod von Kaiser Franz Joseph am 21. November 1916 bestieg er den Thron. Er ließ sich bereits am 30. Dezember als „Karl IV.“ bzw. ungarisch „IV. Károly“ zum ungarischen König krönen. Ab dem Zeitpunkt waren ihm, was die verfassungsrechtliche Möglichkeit für Reformen betrifft, in der ungarischen Reichshälfte weitgehend die Hände gebunden.

Den legendär gewordenen Regierungsstil Kaiser Franz Josephs I., der alle Angelegenheiten allein von seinem Arbeitszimmer in der Wiener Hofburg und in seinen letzten Lebensjahren von Schönbrunn aus geregelt hatte, ahmte Karl I. nicht nach. Karl führte regelmäßig den Vorsitz bei den Sitzungen des Gemeinsamen Ministerrates, der über die Außen- und Kriegspolitik entschied. Ungewöhnlich war auch, dass Karl alle wichtigen Entscheidungen mit seiner Frau Zita besprach und sich von ihr beraten ließ. Bei vielen Besprechungen war Zita auch als Zuhörerin anwesend.

Die ersten Maßnahmen des neuen Kaisers, die Wiedereinberufung des Reichsrates im Frühjahr 1917 und eine politische Amnestie, erweckten bei der Entente die Hoffnung, die Monarchie könne sich reformieren und von Deutschland lösen.

Seine sozialpolitischen Maßnahmen im Jahr 1917 wie Mieterschutz (28. Januar), Schaffung eines Ministeriums für soziale Fürsorge (1. Juni) und eines Ministeriums für Volksgesundheit (30. August) haben die Monarchie überdauert. Viktor Mataja wurde der weltweit erste Sozialminister.

Anders als andere Monarchen nahm er durch häufige Frontbesuche größten Anteil an der Kriegführung. Bereits am 2. Dezember 1916 übernahm er den Oberbefehl über die Armee und verlegte das Armeehauptquartier von Teschen nach Baden bei Wien.

Am 1. März 1917 setzte er Generalstabschef Franz Conrad von Hötzendorf ab. Er konnte dadurch eine Entwicklung ähnlich jener im Deutschen Reich verhindern, wo die Politik hauptsächlich durch die Generäle Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff bestimmt wurde und Kaiser Wilhelm II. kaum noch Einfluss hatte. Durch die Absetzung Conrads schaltete Karl den Einfluss der Militärs im zivilen Bereich aus und legte die gesamte politische Aktion und diplomatische Führung des Krieges wieder in die Hand der österreichischen und ungarischen Regierung bzw. des Außenministers zurück. Allerdings war Österreich-Ungarn auf Grund seiner Schwäche im Vergleich zum „Waffenbruder“ schon vor Karls Regierungsantritt bei militärischen Entscheidungen in die Abhängigkeit von der Obersten Heeresleitung des Deutschen Reiches geraten.

Bei den personellen Veränderungen, die Kaiser Karl bald nach Beginn seiner Regierungszeit durchführte, stellte er Vertrauensleute ein, die zum größten Teil der Umgebung Franz Ferdinands angehört hatten. Durch die Entlassung von Außenminister Burián und des mächtigen ungarischen Ministerpräsidenten István Tisza drängte Karl die ungarische Dominanz in der Außenpolitik zurück, und mit dem neuen Außenminister Ottokar Czernin (Ottokar Czernin: Im Weltkriege) und Heinrich Clam-Martinic als österreichischem Ministerpräsidenten übernahm die böhmische Hocharistokratie die Führung. Der Grund für Czernins Ernennung am 22. Dezember 1916 war hauptsächlich, dass dieser Karls Anschauung von der Notwendigkeit eines baldigen Friedensschlusses teilte.

Karls Versuch, mit seinem Kaiserlichen Manifest vom 16. Oktober 1918 wenigstens die österreichische Reichshälfte zu retten und in einen Bundesstaat mit weitgehender Autonomie für die einzelnen Nationen umzuwandeln, kam zu spät. Seine Einladung an die Nationalitäten Cisleithaniens, Nationalräte zu bilden, wurde angenommen; diese neuen Volksvertretungen gründeten aber voneinander und von Altösterreich unabhängige Staaten (zuletzt am 30. Oktober 1918 die Deutschösterreicher).

Ende Oktober meuterten vor allem ungarische Truppenteile der k.u.k. Armee an der italienischen Front. Innerhalb von zwei Tagen hatten sich Meuterei und passive Resistenz auf 26 der 57 Divisionen ausgebreitet. Ungarn erklärte am 31. Oktober das Ende der Realunion mit Österreich und rief seine Truppen aus Italien zurück. Um den Waffenstillstand von Villa Giusti mit Italien vom 3. November 1918, der den Intentionen des verbündeten Deutschen Reichs widersprach, nicht selbst unterzeichnen zu müssen, übergab der Kaiser und König den Oberbefehl über das, was von der k.u.k. Armee noch der alten Ordnung gehorchte, am 3. November 1918 an General Arthur Arz von Straußenburg und ernannte am 4. November auf dessen Wunsch Feldmarschall Hermann Kövess von Kövesshaza zum Oberbefehlshaber. Am 6. November wurde die k.u.k. Armee von Karl demobilisiert.

Angesichts des völligen militärischen Zusammenbruchs und der inneren Auflösung der Donaumonarchie sowie angesichts der ohne dessen Zustimmung bekanntgegebenen Abdankung Kaiser Wilhelms II. vom 9. November konnte Karl am 11. November 1918 von Ministern der letzten k.k. Regierung (auf Drängen der deutschösterreichischen Politiker) dazu bewogen werden, in der österreichischen Reichshälfte auf jeden Anteil an den Staatsgeschäften zu verzichten und seine (inzwischen funktionslos gewordene) österreichische Regierung ihres Amtes zu entheben. (Die Erklärung war von k.k. Ministern gemeinsam mit Vertretern des deutschösterreichischen Staatsrates entworfen worden.) Man hatte es eilig, die Unterschrift des Kaisers zu erlangen, da für den folgenden Tag bereits die Proklamierung des im Oktober 1918 entstandenen Staates Deutschösterreich zur Republik geplant war und man offene Loyalitätskonflikte um den Kaiser vermeiden wollte.

Mit einer ähnlichen Erklärung verzichtete Karl am 13. November auf Schloss Eckartsau auf Wunsch ungarischer Spitzenpolitiker auf die Ausübung seiner Staatsgeschäfte in Ungarn. Auch dort dankte er aber nicht formell ab; seine Gattin Zita hielt dies auf Grund des Gottesgnadentums des Monarchen für unmöglich.

Karl wohnte mit seiner Familie zuletzt in Funchal. Nach dem Diebstahl der als letzte Mittel verbliebenen persönlichen Juwelen übersiedelte er in eine Quinta (Herrenhaus) in Monte, die ihm von einer Bankiersfamilie kostenlos zur Verfügung gestellt wurde. Am 9. März zog er sich eine Erkältung zu. Um Geld zu sparen, wurde erst am 21. März ein Arzt gerufen, der eine schwere Lungenentzündung feststellte. Am 1. April 1922 starb Karl knapp fünfunddreißigjährig.
     
     

 







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